Begeisterung wirkt ansteckend

Die Begeisterung der Lehrenden für Inhalte, Lehre und Publikum ist ansteckend (vgl. z.B. Ambrose et al. 2010). Jenseits der empirischen Grundlage werden Sie dieser Aussage zustimmen, wenn Sie an Ihre eigene Zeit als Studentin oder Schüler zurückdenken. Daher: Pflegen Sie Ihren Enthusiasmus für die Inhalte. Wenn der Funke springt, ist der Kontakt zum Publikum schon fast hergestellt. Dies ist auch ein Plädoyer dafür, die Präsenzlehre nicht gänzlich durch digitale Medien zu ersetzen. Der gute Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden wurde als Qualitätskriterium an exzellenten Hochschulen schon vor Jahrzehnten aufgezeigt (Chickering & Gamson 1987). Hochschullehre ist People Business. Zeigen Sie Ihrem Publikum also ruhig auch etwas von sich: Wie gehen Sie mit der täglichen Informationsflut um? Wie versuchen Sie, fachlich aktuell zu bleiben? Wie erging es Ihnen damals, als Sie erstmals mit diesem oder jenem Sachverhalt konfrontiert wurden? Wenn Sie ab und an auch hierzu etwas sagen, wird die Qualität der Beziehung zwischen Ihnen und Ihrer Zielgruppe davon profitieren.

Entwickeln Sie Ihr persönliches Selbstverständnis als engagierte Lehrperson, die zugänglich ist und sich für die Lernprozesse und Anliegen der Studierenden interessiert. Seit langem kursiert hierzu der Slogan «The shift from teaching to learning» (Barr & Tagg 1995), mit dem die Idee eines Perspektivenwechsels verbunden ist: Im Fokus steht zunächst nicht die Liste der Themen, sondern die Kardinalfrage, «Was müssen die Studierenden am Schluss können und was kann ich dazu beitragen?» Enthusiasmus zeigt sich übrigens auch im Aufwand, den Sie in Ihre Lehre investieren. Es gibt einen wissenschaftlich nachgewiesenen hohen Zusammenhang zwischen dem Aufwand zur Vorbereitung von Lehrveranstaltungen und dem Lernerfolg der Studierenden (Feldman, 1989).

  • Erzählen Sie Anekdoten und Geschichten aus Ihrem Forschungsalltag. Erfolge, und mögen sie noch so klein sein, lassen Ihr Publikum und auch Sie selber immer wieder spüren, warum Wissenschaft so spannend ist.
  • Sie kennen garantiert markante Persönlichkeiten aus Ihrem Forschungsbereich. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist auch irgendwo eine Präsentation der Person auf Video zu finden. Zeigen Sie einen Ausschnitt davon.
  • Auch vermeintlich «trockene» Inhalte haben irgendwo eine sinnvolle Anwendung. Mit Ihrer Expertise können Sie diese Verbindung leichter herstellen als Ihr Publikum. Zeigen Sie solche Verbindungen auf.
  • Gibt es gesellschaftliche Entwicklungen, die Sie ärgern? Zeigen Sie auf, was Ihre Disziplin dazu beitragen kann, solche Missstände zu beheben.
  • Sachverständnis und Expertise in Ehren, aber zeigen Sie ruhig auch, wer Sie sind.