Gute Lehre an der Universität Bern

10 Lehrtipps aus der Lehr-Lern-Forschung

Vielleicht fragen Sie sich, wie Sie mit der Übermenge an Stoff umgehen sollen, ob die Flughöhe Ihrer Ausführungen angemessen ist, wie Sie unterschiedlichem Vorwissen gerecht werden oder zur aktiven Teilnahme anregen können. Die Konzeption guter Lehre ist nicht immer leicht, besonders unter Zeitdruck.

Die Forschung liefert hierzu nützliche Hinweise. Die folgenden zehn Tipps bilden eine Synthese aus fundierten Publikationen, denen eine solide empirische Forschungsbasis zugrunde liegt.

Es handelt sich also um Lehrstrategien, die:

  • einen substantiellen Beitrag zum grösseren Lernerfolg der Studierenden leisten
  • nicht auf Anekdoten basieren, sondern durch empirische Forschung untermauert sind
  • in verschiedenen Fachdisziplinen eingesetzt werden können

Wir sehen die zehn Tipps als Wirkfaktoren. Sie sind zwar wirkfähig, entfalten ihr Potential jedoch nur, wenn sie im Kontext der Lehre geschickt realisiert und miteinander kombiniert werden.

Flyer zum Download

Die hier beschriebenen Faktoren, Strategien und Hinweise beziehen sich auf den A5-Flyer, der durch das Vizerektorat Lehre zur Verfügung gestellt wird. Für gedruckte Exemplare wenden Sie sich bitte an: hd@zuw.unibe.ch

Flyer 10 Lehrtipps (de) (PDF, 835KB)

Transparente Erwartungen

Klare Erwartungen durch handlungsorientiert formulierte Lernergebnisse (Kompetenzen) und zielbezogene, transparente Beurteilungskriterien.

Authentische Problemstellungen

Kein Lernstoff «auf Vorrat», Fragestellung zu Beginn als prozessbegleitender Ankerpunkt.

Entschlackter Lernstoff

Weniger ist mehr: Exemplarität durch Prinzipien und Leitideen, Tiefenlernen statt «Bulimielernen».

Übersicht und Veranschaulichung

Keine isolierten Fakten. Übersicht und Orientierung durch Kontext, Fallbeispiele und Visualisierungen.

Aktivierung und Rhythmisierung

Vorwissen-Aktivierung, Rhythmisierung mit der 20-Minuten-Regel, Handlungsorientierung durch regelmässige Verarbeitungsphasen.

Zweckdienliche Kooperation

Strukturierte und reflektierte Teamarbeit durch geeignete Methoden – für Wissensabgleich, Synthese und Peer-Feedback.

Standortbestimmung und Feedback

Live-Abstimmungen und Selbsttests, um Wissenslücken zu füllen durch informierendes Feedback. Produkt, Prozess und Selbstregulation ansprechen.

Adaptive Lehre

Konstante Wirkungsprüfung der eigenen Lehrstrategien, Anpassung aufgrund der Lernfortschritte.

Kluge Digitalisierung

«A fool with a tool is still a fool». E-Tools zielgerichtet für wirksame Lehrstrategien einsetzen. Hirn statt Hype.

Begeisterung wirkt ansteckend

Die wahrgenommene Begeisterung für das Fach und dessen Vermittlung wirkt auf die Studierenden hoch motivierend.

Epilog

Lehrende tragen einen wesentlichen Teil bei zum Lernerfolg der Studierenden. Dabei werden sie geleitet von ihren individuellen Vorstellungen davon, was gute Lehre ist und wie sie realisiert werden soll. Diese sogenannten Lehrüberzeugungen, Lehrkonzeptionen oder Teachers' Beliefs sind über viele Jahre gereift auf der Basis individueller Erfahrungen sowohl als Lernende als auch als Lehrende. Wer also zum ersten Mal mit Studierenden arbeitet, hat bereits einen Lehrstil entwickelt. Es kann allerdings sein, dass die bevorzugten Lehrstrategien, auch bei sehr erfahrenen Dozierenden, nicht unbedingt die effektivsten sind. Die Abkehr von didaktischem Brauchtum hin zu einer professionellen Einstellung mit dem erwähnten Selbstverständnis sind darum massgebend für exzellente Lehre. Hierzu zählt auch die Auseinandersetzung mit wissenschaftlich untermauerten Wirkfaktoren der Lehre. Vor diesem Hintergrund müssen die eigenen Lehrkonzeptionen immer wieder hinterfragt werden.

Obgleich Sie als Lehrperson den grössten Einfluss haben, ist der Erfolg Ihrer Lehrveranstaltung natürlich auch durch den Kontext bedingt. Noch wesentlicher aber sind die Lernenden. Die Empirie zeigt, dass rund die Hälfte des Lernerfolges davon abhängt, was die Studierenden mitbringen an Vorwissen, Motivation, Lern- und Arbeitsstrategien u.a.m. Dieser Sachverhalt gilt im Übrigen für alle Bildungsstufen und wurde im bekannten Angebots-Nutzungs-Modell (Helmke & Schrader 2010) zusammengefasst.

Die Diskussion zur Frage, was im Unterricht wirkt, ist nicht neu, wurde aber kurz nach der Jahrtausendwende wiederbelebt. Einen wichtigen Beitrag hierzu hat John Hattie geleistet. Über dreissig Jahre lang sammelte (und sammelt) er empirische Ergebnisse zur Lehr- und Lernforschung. Für sein Buch Visible Learning hat er 2009 die Erkenntnisse aus mehr als 52‘000 Studien zu einer Art «Mega-Analyse» zusammengefasst und 138 Faktoren, die den Lernerfolg beeinflussen, in einer Rangreihe nach deren Wirkung aufgelistet (in neueren Berichten werden sogar etwa 200 Faktoren aufgelistet).

Inzwischen ist die Menge an Publikationen, die empirische Ergebnisse für die Anwendung in der Hochschullehre interpretieren, so gewachsen, dass durchaus von einer empirischen Wende in der Hochschuldidaktik gesprochen werden kann (z.B. Hattie & Yates 2014; Schneider & Mustafić 2015; Schneider & Preckel 2017; Ambrose et al. 2010; Ulrich 2016). Eine kleine Auswahl an Beispielen findet sich im Literaturverzeichnis zu diesem Text. Empirische Daten müssen immer mit Bedacht interpretiert werden. Gedankenlose «Korrelationshuldigung» führt oft in eine Sackgasse. Erfolgreiche Dozierende stellen jedoch immer wieder fest, dass sich das, was in ihren Lehrveranstaltungen funktioniert in den Forschungsergebnissen spiegelt.

Optimierte Lehrstrategien wirken vor allem dann, wenn Sie selber entschlossen dahinterstehen. Vertreten Sie Ihre Lehrstrategien mit dem Verweis auf die Lernforschung. Eine Abkehr vom traditionellen «ZEN in der Vorlesung» (Zuhören, Einschlafen, Nacharbeiten) löst zuweilen unliebsame Reaktionen aus, denn lernen ist anstrengend. Innovative Lehrende benötigen manchmal viel Rückgrat, um die aktivierenden Strategien mit dem Brustton der Überzeugung zu vertreten. Dies fällt Ihnen leichter, wenn Sie Hochschullehre als Profession verstehen und sich ab und zu auch etwas wissenschaftliche Zusatzinformation oder vielleicht sogar eine Weiterbildung gönnen.

Die Brücke zwischen eigener Lehre und empirischen Erkenntnissen aus der Lehr-Lern-Forschung lässt sich gut im Austausch mit Expertinnen und Experten der Hochschuldidaktik oder dem e-Learning-Team bauen. Nutzen Sie die entsprechenden Beratungsangebote Ihrer Institution. Die Fachstellen der Lehrentwicklung haben immer ein offenes Ohr und eine funktionierende Kaffeemaschine.

www.gutelehre.unibe.ch … führt zum Portal für Lehrende der Universität Bern. Die zentrale Anlaufstelle im Netz für alle, die sich mit guter Hochschullehre befassen wollen oder entsprechende Hinweise und Support suchen.

www.DidakTipps.ch ... führt zur Web-App der Hochschuldidaktik an der Universität Bern – für mobile Geräte wie Smartphones oder Pads. Die Liste mit kurzen Tipps für die Hochschullehre wird monatlich erweitert und lässt sich auch per RSS abonnieren.

www.assessment.unibe.ch ... führt zu einer für mobile Endgeräte optimierten Seite, auf eine Vielzahl unterschiedlicher Prüfungsformen aufgelistet wird. Ausgehend von einer konkreten individuellen Lehr- bzw. Prüfsituation setzen Dozierende entsprechende Auswahlfilter und erhalten anschliessend eine Liste mit Vorschlägen, deren Relevanz am Bildschirm grafisch angezeigt wird.

www.hd.unibe.ch ... führt zum Angebot des Bereiches Hochschuldidaktik & Lehrentwicklung an der Universität Bern.

www.schaufensterlehre.unibe.ch ... führt zu Videoportraits über innovative Lehrveranstaltungen, vorbildhafte Studiengänge und engagierte Lehrende. Diese «Best-Practice-Galerie» wächst jährlich weiter.

www.lerntoolkit.unibe.ch ... führt zu einer Seite für Studierende mit Informationen und Hinweisen zur Optimierung der eigenen Lerntechniken, unter anderem mit Videos, die das Institut für Psychologie und der Bereich Hochschuldidaktik & Lehrentwicklung gemeinsam produziert haben. Zum LernToolKit gehört auch ein kompakter Flyer mit zehn essenziellen Lerntipps. Alle Lernhinweise sind aus der Lern- und Gedächtnisforschung abgeleitet. Das Angebot im LernToolKit wird laufend ausgebaut.

www.ilub.unibe.ch ... führt zum Angebot der Supportstelle für ICT-gestützte Lehre und Forschung.

www.ilias.unibe.ch ... ILIAS ist eine der bekanntesten Lernplattformen weltweit. iLUB ist das e-Learning-Team der Universität Bern, beteiligt sich aktiv in der Open-Source-Gemeinschaft um ILIAS und leitet unter anderem ein grosses Teilprojekt zur Optimierung der Benutzerfreundlichkeit. ILIAS ist die zentrale Lernplattform der Universität Bern. Die Digitalisierungsstrategie der Universität Bern wird auch die technologischen Entwicklungen in der Lehre einbeziehen.

Hochschuldidaktisches Weiterbildungsprogramm

Das hochschuldidaktische Weiterbildungsprogramm der Universität Bern gehört zu den ältesten im deutschen Sprachraum. Seit 1990 umfasst es Fortbildungen im Bereich der Lehrstrategien und Auftrittskompetenz an. Inzwischen werden jährlich gut 45 mehrtätige Kurse durchgeführt. Mehrere tausend Lehrende an Universitäten, Fachhochschulen, pädagogischen Hochschulen oder höheren Fachschulen haben seit seiner Lancierung am Programm teilgenommen – und belegen die Ausstrahlung der Universität Bern als ein Kompetenzzentrum guter Lehre in weite Bereiche der Bildungslandschaft hinein.

zum Weiterbildungsprogramm

CAS Hochschullehre

Mit dem CAS Hochschullehre hat die Universität 2002 den ersten Weiterbildungsstudiengang dieser Art in der Schweiz lanciert. Die bisher rund 300 Absolventinnen und Absolventen – darunter einige gestandene Professorinnen und Professorinnen im In- und Ausland – haben von der konsequenten Modularisierung profitiert, der flexible und individuelle Lernpfade durch das Studienprogramm ermöglicht. Der Studiengang  sowie die Einzelkurse des hochschuldidaktischen Weiterbildungsprogrammes sind für Lehrende an der Universität Bern sowie der PHBern kostenlos.

zum Studiengang

Förderung innovativer Lehre (FIL)

Die Universität stellt Instituten zusätzliche personelle Ressourcen zur Verfügung, damit Dozierende bzw. Projektverantwortliche entlastet und so zeitliche Freiräume für die Konzeption, Durchführung und Evaluation eines innovativen Lehrprojekts erhalten. Jährlich werden ca. 20 neue Projekte in den verschiedensten Bereichen gefördert - von der Zellbiologie über Psychologie oder Astronomie bis hin zur Geographie. Interdisziplinäre Lehrveranstaltungen oder solche, die das Thema Nachhaltigkeit integrieren, werden durch die Programme FIV (Förderung Interdisziplinäre Veranstaltungen) bzw. FNE (Förderung Nachhaltiger Entwicklung in der Lehre) unterstützt.

zum Förderprogramm FiL

eCoaches

Sie möchten im Herbstsemester 2020 Ihre bestehende Lehrveranstaltung mit digitalen Möglichkeiten anreichern, die digitalen Anteile Ihrer Lehrveranstaltung weiter optimieren oder planen eine ganz neue Lehrveranstaltung? Lassen Sie sich von ausgebildeten eCoaches kostenlos ab Juni 2020 unterstützen. Mehr Informationen und das Anmeldeformular finden Sie unter: www.gutelehre.unibe.ch/ecoach

Individuelles Coaching

Lehrende der Universität Bern sowie der PHBern können sich kostenlos individuell beraten lassen, beispielsweise zur Interpretation von Evaluationsergebnissen oder zur Weiterentwicklung eigener Lehrveranstaltungen. Auch Hospitationen in Lehrveranstaltungen sind möglich.

mehr zur Beratung

Projektbegleitung und Curriculumsberatung

Institute der Universität Bern, die ihr Studienangebot reformieren oder neue Programme entwickeln wollen, werden bei Bedarf durch das Team Hochschuldidaktik & Lehrentwicklung sowie durch das iLUB-Team kostenlos unterstützt. Nach einer ersten Bedarfsabklärung im persönlichen Gespräch wird die Art der Projektbegleitung vereinbart.

zur Best-Practice-Galerie

FEDERALL

Im Rahmen von FEDERALL (Faculty and Educational Development Research Alliance) erforschen Dozierende der Universität Bern ihre eigene Lehre und publizieren die Ergebnisse in einschlägigen Fachzeitschriften. Möchten Sie über aktuelle Entwicklungen im Rahmen von FEDERALL informiert oder selbst Teil der Community werden? Dann schauen Sie vorbei auf: www.federall.unibe.ch.